Professionelle Personalgewinnung: Wie locke ich die richtigen Mitarbeiter an?

So lautet die Überschrift des Interviews, das das Online Magazin „Werbezunder Ende März 2015 mit mir führte.

Werbezunder stellt in seinem Online Magazin sehr informative, anschaulich gestaltete Tipps zum erfolgreichen Onlinemarketing zur Verfügung. Hier geht es um Design, Marketingtrends wie z.B. Unternehmensvideos und Social Media. Besonders lesenswert finde ich den Beitrag „Blogg dich hoch! – Unternehmensblogs für mehr Erfolg“.

An dieser Stelle möchte ich mich herzlich für die Möglichkeit bedanken, dass sie mir die Plattform gegeben haben, meine Gedanken und Überzeugungen zum Thema Employer Branding und nachhaltiges Personalmanagement zu veröffentlichen. Gerne gebe ich das Interview hier für meine Leser wieder.

„Employer Branding: Alter Hut mit neuen Möglichkeiten

Auf ihrer Seite „Positiv Abheben“ bloggt Sandra Gertzen über ihre Leidenschaft: Sie „verkuppelt“ Mitarbeiter und Firmen. Eine wichtige Voraussetzung für die optimale Passung ist dabei ein erfolgreiches Firmenmarketing. Aber Vorsicht, die moderne Marke ist mehr als nur heiße Luft!

„Die Marke leben“

Employer Branding wird zwar schon seit den 90ern für die Bildung einer kohärenten Firmenidentität zu Werbezwecken verwendet, allerdings hat sich die Bedeutung für moderne Unternehmen Gertzens Meinung nach grundlegend verändert:

Neu ist aus meiner Sicht, dass Employer Branding heute kein reines Marketinginstrument mehr ist. Unternehmen haben stattdessen erkannt, dass eine Marke nicht durch bunte Bildchen entsteht, sondern gelebt werden muss.“

Der Vorteil für alle Unternehmen ist, dass die Beschäftigung mit Employer Branding dazu führt, dass sich Personalabteilung und Unternehmensführung mit den Werten und Bedürfnissen der MitarbeiterInnen auseinandersetzen und Arbeitsbedingungen schaffen, die zu zufriedenen MitarbeiterInnen führen.

Das wiederum führt zu einer höheren Bindung an das Unternehmen, geringerer Fluktuation, einem niedrigeren Krankenstand und idealerweise zu begeisterten MitarbeiterInnen, die als Unternehmensbotschafter Werbung für ihren Arbeitgeber machen. Damit sichern Unternehmen sich durch werteorientierte Unternehmensführung langfristig ihren Erfolg am Markt.

Großer Effekt für „Hidden Champions“

Vor allem mittelständischen Unternehmen, die im Verborgenen solide, werteorientierte Arbeit leisten, kann ein gezieltes Employer Branding neuen Schwung verleihen:

Gerade im Mittelstand gibt es sehr viele „Hidden Champions“, die aufgrund ihrer großen Nähe zu ihren MitarbeiterInnen schon immer sehr werteorientiert und nachhaltig agieren, auch und gerade in Bezug auf Mitarbeiterführung und –Entwicklung. Sie bieten MitarbeiterInnen z.B. häufig ein viel breiteres Arbeitsspektrum als in Großunternehmen, sie beteiligen MA’s häufiger an Entscheidungsprozessen und informieren zeitnaher und offener.

Employer Branding ist also insbesondere für kleine und mittelständische Firmen eine gute Möglichkeit, sich für Bewerber, aber auch potentielle Kunden, sichtbar zu machen. Gerade in Zeiten von Social Media können Firmen mit relativ geringen Mitteln einem breiten Publikum zeigen, was sie als Arbeitgeber attraktiv macht und was sie zu bieten haben.“

Tipps für erfolgreiches Branding: Ehrliche und authentische Botschaften

Gertzen betont auf ihrem Blog immer wieder die Firmenauthentizität als Fundament für eine erfolgreiche Personalgewinnung. Sie gibt Unternehmen Tipps, wie ein professionelles, authentisches Branding gelingt:

Zunächst einmal: Employer Branding ist in erster Linie oberste Chefsache und kann nicht von HR alleine gemeistert werden!

Im ersten Schritt ist Grundlagenarbeit gefragt:

  • Welche Werte möchten Sie als Unternehmen vermitteln?
  • Welche Führungsgrundsätze haben Sie?
  • Sind alle Führungskräfte mit diesen vertraut und leben sie?
  • Was macht Ihr Zusammenarbeiten wirklich aus?
  • Wie ist Ihr Kommunikationsverhalten, wie gehen Sie mit BewerberInnen und neuen MitarbeiterInnen um?
  • Welche Besonderheiten bieten Sie?

Erst wenn diese Fragen alle beantwortet sind und Sie auch den Optimierungsbedarf aktiv angehen wollen, sollten Sie sich an ein strukturiertes Employer Branding wagen.

Denn noch einmal, eine „Employer Brand“ entsteht nicht in erster Linie durch die gesteuerten Marketingaktivitäten, sondern durch das tägliche Agieren innerhalb und außerhalb des Unternehmens. Deshalb kann ein nachhaltiges Employer Branding nur durch ehrliche und authentische Botschaften funktionieren. Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit von Geschäftsführung, HR, Führungskräften, Mitarbeitern und Marketing ist hierfür unerlässlich.


Diesen erarbeiteten Botschaften können Sie dann z.B. durch Story-Telling auf einem eigenen Blog oder einer Facebook-Seite, durch Fotos von Mitarbeiterevents oder aus dem Arbeitsalltag, mit Hilfe von Interviews mit Mitarbeitern, kleinen Videosequenzen und vielem mehr öffentlich ein Gesicht verleihen.“

Nachhaltige Personalarbeit: Die Zukunft des Recruitings?

Erst wenn der Arbeitsalltag genauso rosig aussieht wie das Versprechen in der Stellenausschreibung, ist die Personalgewinnung nachhaltig.

Die Unternehmenslandschaft ist ständig im Wandel: Ein Trend jagt scheinbar den nächsten, was die Auswahl der richtigen Strategien für die Personalgewinnung nicht gerade einfacher macht. In ihrem Artikel 10 Recruiting Trends 2015 stellt Gertzen wichtige Entwicklungen vor, die man dieses Jahr als Unternehmer im Auge behalten sollte. Für sie gibt es daneben aber eine uralte Strategie, die immer fruchtet:

Nachhaltige Personalarbeit ist aus meiner Sicht das Employer-Branding-Mittel der Wahl.

Wenn alle Prozesse, von der Gewinnung über die Onboarding-Phase, die Mitarbeiterbetreuung und Führung bis hin zu dem Umgang mit Fehlzeiten und dem rechtzeitigen, gemeinsamen Beschäftigen mit dem Austritt, identisch sind mit dem Bild, das in allen Marketingmaßnahmen gezeichnet wird, ist Personalgewinnung nachhaltig.

Menschen werden mit „Werbe-Versprechen“ in Unternehmen geholt, die dann halten, was sie versprechen. So entwickelt sich die Employer Brand nachhaltig erfolgreich weiter. Das ist nicht anders als im Produktmarketing – wenn das Produkt nicht hält, was die Werbung verspricht, wird es floppen.“

Die häufigsten Fehler bei Personalgewinnung und Branding

Sandra Gertzen arbeitete selbst jahrelang im HR Management. Aus ihrem reichen Erfahrungsschatz erzählt sie uns die größten Fettnäpfchen bei der Personalgewinnung:

Der häufigste Fehler besteht aus meiner Sicht darin, dass Unternehmen der HR Abteilung oder gar dem Marketing die Aufgabe geben, mal eben eine Marketingstrategie zu entwerfen, um das Unternehmen bekannt zu machen. Im besten Fall werden auch die Werte „vorgegeben“, die das Unternehmen auszeichnen sollen – selten wird aber geschaut, ob diese Werte auch tatsächlich im gesamten Mitarbeiterlebenszyklus, also vom Umgang mit den Bewerbungen bis zu möglichen Austrittsgesprächen, gelebt werden.

Interessanterweise haben hier gerade Großunternehmen Nachholbedarf. Da bekommen Bewerber manchmal gar keine Rückmeldung auf ihre Bewerbung oder nur eine automatisierte Eingangsbestätigung und dann monatelang gar nichts mehr. Wenn dann doch noch die Absage kommt ist sie ebenso unpersönlich wie wenig aussagekräftig. In Zeiten von kununu und Co. hat dies sehr negative Auswirkungen auf die Employer Brand.“

Bald nur noch computergesteuerte Personalgewinnung?

Viele Prozesse in modernen Unternehmen laufen mittlerweile automatisch ab. Ob wohl bald Computer die Personalgewinnung für Unternehmen übernehmen?

Gerade diese Entwicklung sehe ich als besonders kritisch an. Immer mehr Unternehmen wickeln den Bewerbungsprozess bereits heute ausschließlich über Onlineformulare ab. Zum einen soll dies die Objektivität sicherstellen, da nur Hardfacts (fachliche Eignung) bei der Vorauswahl berücksichtigt werden, andererseits ist genau dies ein Weg, der den Wünschen und heutigen Lebensmodellen der Generationen X-Z völlig widerspricht. Ihre Qualifikationen und Lebensläufe lassen sich nicht mehr in Formulare pressen – für die langfristige Personalgewinnung sind neue Wege und Querdenkertum notwendig.

Es gibt sicherlich Prozesse in der Personalgewinnung, die über Computer sinnvoll abgebildet werden können – die tatsächliche Gewinnung für ein Unternehmen aber wird aus meiner Sicht in den nächsten 50 Jahren nur durch echte und authentische Menschen gelingen können. […]Es wird zukünftig um Kontaktpflege, Netzwerke, Mehrwert bieten gehen, um Menschen innerhalb und außerhalb für Unternehmen zu begeistern. Da ist Technik nur ein Mittel, um Freiräume für diese neuen Aufgaben zu schaffen.

Wir danken sehr herzlich für das Gespräch und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg bei Ihrer Leidenschaft!“

Quelle: http://werbezunder.de/news/professionelle-personalgewinnung-wie-locke-ich-die-richtigen-mitarbeiter-an/

Bildrechte: iStockphoto.com/iStockFinland/Rawpixe

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