Karriere-Messe als Türöffner zum Wunschjob Teil 1

Gründliche Vorbereitung

Gestern war die offizielle Eröffnung der IAA 2015 – begleitet von der Job and Career Messe in Halle 4.  Knapp zwei Wochen präsentieren Unternehmen rund um das Thema „Mobilität“ ihre Leistungen.

Der geeignete Ort also, spannende Arbeitgeber genauer unter die Lupe zu nehmen und die Chance zu nutzen, sich als interessante(n) Arbeitnehmer/in zu präsentieren.

Das klappt am besten mit gründlicher Vorbereitung!

Natürlich können Sie auch einfach nur hingehen und versuchen, sich ein Bild der einzelnen Unternehmen zu machen und durch Teilnahme an Vorträgen Informationen über Beschäftigungs-, Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten zu bekommen.

Allein die Beobachtung des Geschehens am Messestand bietet, sogar ohne Gespräch, bereits viele Informationen:

Wie ist die Altersstruktur am Messestand, wie der Umgangston untereinander, wie der Dresscode?

Speziell auf der IAA: Wie ist das Menschenbild, dass durch die Präsention der Autos auf der IAA transportiert wird? Die Italiener spielen lt. Alexandra Eisen im Darmstädter Echo vom 17.09.2015 auch in diesem Jahr noch mit Klischees: „Fette Pferdestärken und schlanke Püppchen – das Bild funktioniert immer noch… und wirken damit seltsam aus der Zeit gefallen“.  Bei anderen Ständen wird dies komplett auf den Kopf gestellt – da erklären kompetente Frauen technische Details und Motorenleistung, die Herren polieren die Wagen auf Hochglanz.

Wie präsentiert sich das Unternehmen durch seinen Stand – eher traditionell, innovativ, effektheischerisch? Durch direkte Ansprache der Besucher, vielleicht eher durch vornehme Zurückhaltung oder gar körpersprachlich ausgedrücktes Desinteresse?

Ist man gerne bereit, auch Informationen zu Unternehmenskultur, Betriebsklima oder gar Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten zu geben…

Viele Informationen, die Ihnen helfen können, das ideale Unternehmen für sich zu finden.

Aber bereits bei diesem Vorgehen gilt: ohne Vorbereitung sind die vielfältigen Eindrücke bereits am Abend verwischt, vieles bereits wieder vergessen oder von anderem überlagert.

Wenn Sie einen wirklichen Nutzen für Ihre Jobsuche aus einem Messebesuch ziehen möchten, werden Ihnen folgende Tipps dabei helfen.

Heben Sie sich von der Masse ab – durch gründliche Vorbereitung

  • Der wichtigste Schritt zur Vorbereitung ist, dass Sie Ihre eigenen Stärken und Fähigkeiten kennen und diese auch präsentieren können – wenn Sie sich lange nicht beworben haben, üben Sie es (Elevator Pitch). Nehmen Sie sich ausreichend Zeit, machen Sie sich Ihr Know-how, Ihre einzigartigen Kompetenzen und Eigenschaften bewußt und versuchen Sie daraus, wie ein Unternehmen, Ihren Markenkern zu definieren.
  • Werten Sie aus: das Karriere-Messe-Programm, die Aussteller und natürlich die für Sie relevanten Stellenausschreibungen.
    Welche Unternehmen und Stellenanzeigen sprechen Sie besonders an?
    Welche Informationen bekommen Sie, die Ihr Herz höher schlagen lassen?
    Stellen die Unternehmen sich zusätzlich einem breiten Publikum in Form von Vorträgen vor?
    Wer präsentiert – Vertreter aus den Fachbereichen, die Stellen anzubieten haben, Personaler oder sogar der Geschäftsführer? Gehen Sie hin! Vielleicht erleben Sie Ihren zukünftigen Chef bereits life;-) und können sich im Anschluss direkt an sie oder ihn wenden (persönlich oder in Ihrem Anschreiben). Der Inhalt des Vortrages könnte auch einen guten Aufhänger für Ihre Initiativbewerbung liefern.
  • Machen Sie sich Ihre Motivation bewusst  – was möchten Sie mit dem Karriere-Messe-Besuch erreichen?
    Wollen Sie die Unternehmenskulturen verschiedener Unternehmen kennenlernen?
    Wollen Sie Möglichkeiten für einen Branchenwechsel oder Quereinstieg ausloten?
    Was möchten Sie auf jeden Fall konkret von den Unternehmen wissen?
    Wollen Sie Ansprechpartner/innen des Unternehmens persönlich kennenlernen, um ggf. einen Türöffner in Ihr Wunschunternehmen zu gewinnen?
    Wollen Sie sich direkt auf eine ausgeschriebene Stelle bewerben und die Messe nutzen, einen persönlichen, überzeugenden Eindruck zu hinterlassen?
    Was sollen die Unternehmen auf jeden Fall über Sie erfahren?
    Warum denken Sie, der/die richtige Mann/Frau für das jeweilige Unternehmen zu sein?…
  • Seien Sie wählerisch
    Vereinbaren Sie, wenn möglich, bereits im Vorfeld konkrete Termine mit den Unternehmen, die Sie wirklich interessieren, oder die Ihnen zwar noch unbekannt sind, aber für Sie spannende Jobangebote bieten.
    Nutzen Sie hierfür z.B. Xing oder die Vorankündigung der Messeteilnahme des Unternehmens auf facebook.
    Erfahrungsgemäß sind 5 Termine an einem Tag realistisch – schließlich ist es so etwas wie ein erstes Vorstellungsgespräch – das fordert Ihre volle Aufmerksamkeit und Konzentration.
  • Erstellen Sie sich eine Messe-Check-Liste
    Mit welchen Unternehmen möchte ich sprechen – Warum, wann, welche Stellen sind im Angebot, welche Informationen habe ich über das Unternehmen im Vorfeld, welche konkreten Fragen habe ich, welche im Antworten habe ich im Gespräch erhalten, wie heißen meine Ansprech- und konkreten Gesprächspartner/innen, wem habe ich meine Bewerbung übergeben, was wurde konkret vereinbart…
    Idealer Weise tragen Sie diese Check-Liste auf der Messe bei sich und machen direkt im Anschluss an jedes Gespräch eine kurze Notiz über alles, was Ihnen wichtig erscheint – ob handschriftlich oder per Smartphone bleibt Ihrer persönlichen Vorliebe überlassen.
  • Da es auf Messen häufig Imagebroschüren und Visitenkarten gibt ist für Sie vielleicht auch eine Mappe zum Vorsortieren nach Unternehmen sinnvoll.
    Eine Plastiktüte, in der alles zusammengewürfelt wird, oder gar ein „Beutel“ vom Mitbewerber macht keinen professionellen Eindruck.

    Quelle Fotolia

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  • Bereiten Sie aufmerksamkeitsstarke Bewerbungsunterlagen vor
    Um trotz der Fülle der Gespräche, die Personaler während so einer Karriere-Messe führen, gut im Gedächtnis zu bleiben, empfiehlt es sich, durch kreative Kleinigkeiten aus der Masse herauszustechen.
    Wie wäre es z.B., wenn Sie statt der üblichen Bewerbungsmappe im seriösen dunkelblau eine individuell gestaltete überreichen. Oder lieber gleich nur eine pfiffig aufgemachte Bewerbungs-CD zu übergeben.
    Einen sehr guten Eindruck macht es, wenn Sie Ihre Unterlagen jeweils individuell auf die ausgesuchten Unternehmen zuschneiden – das zeigt, dass Sie sich vorab informiert haben und sich wirklich für diesen Arbeitgeber interessieren!
    Aus diesem Grund kann ich auch Bewerbungsflyer nur bedingt empfehlen. Diese sind durchaus geeignet für Gespräche, die Sie eher zufällig mit Unternehmen führen, die Sie dann begeistern, und denen Sie als „Merker“ etwas in die Hand geben möchten. Wie wäre es für diesen Zweck mit einer Postkarte, die neben Ihrem Foto und Ihrem Markenkern nur die URL Ihrer Bewerbungshomepage enthält oder einen entsprechenden QR Code? Weniger ist in diesem Fall mehr – Sie fallen auf und haben im Anschluss einen guten Anlass, sich mit dem Unternehmen wieder in Verbindung zu setzen.
  • Checken Sie Ihre Social Media Profile, insbesondere Xing/LinkedIn
    Findet sich hier Ihr Markenkern? Sind Ihre Daten aktuell, das Foto freundlich und zugewandt? Sind Ihre öffentlichen facebook-Posts stubenrein?
  • Machen Sie bereits im Vorfeld der Karriere-Messe auf sich aufmerksam
    Liken Sie Posts der Unternehmen, kommentieren Sie Tweets oder diskutieren Sie aktiv jobrelevante Themen in geeigneten Foren. Sie werden sehen, man wird sich an Sie erinnern.
  • Organisatorisches
    Planen Sie ausreichend Zeit für die Anreise und das Auffinden der entsprechenden Stände ein – zu bestimmten Zeiten sind auch Karriere-Messen überlaufen und man kommt nur stockend ans Ziel.
    Und Sie wollen doch Ihren Traumjob nicht durch Zuspätkommen verspielen.

Wenn alle Vorbereitungen abgeschlossen sind, kann es losgehen zum Messebesuch, der Ihnen vielleicht Ihren Traumjob beschert.

Kommentare4
  1. PatrwinkJuni 30, 2017   

    Insbesondere den Tipp, die Termine bereits im Vorfeld zu organisieren halte ich für sehr wertvoll.
    Gerade auf großen Messen ist es ja sowieso schon schwierig überhaupt überall vorbeizulaufen – manchmal gibt es ja auch einen Bus für den Messetransport – und dann wird man von der Informationsflut meist erschlagen.

    • Sandra GertzenJuni 30, 2017   

      Hallo,

      ja, ich teile Ihre Erfahrung. Zumindest sollte man sich vorab konkrete Unternehmen raussuchen (meist gibt es ja online bereits einen Standplan), einen groben Ablauf planen und auch genügend Puffer einkalkulieren.
      Schließlich hält jede Messe ja auch immer Überraschungen bereit und man stolpert vielleicht über ein Unternehmen, das aufgrund des sympathischen Auftritts plötzlich auch in den eigenen Fokus rückt .
      Dann wäre es ja schade, wenn Sie durch einen zu straffen Plan vielleicht Ihren absoluten Wunscharbeitgeber verpassen.

  2. Susanne RatzSeptember 28, 2015   

    Hallo Sandra,

    wer diesem „Wegweiser“ folgt, dem sollte ein Vorstellungsgespräch fast schon sicher sein!
    Eigentlich sollte man glauben, dass viele der von dir genannten Verhaltens- und Vorgehensweisen selbstverständlich sein sollten. Die Praxis zeigt aber ganz deutlich, dass gerade Berufsanfänger, und nicht nur diese, oft orientierungslos sind und in die üblichen Bewerbungsfallen tappen. Die von dir angesprochene Tüte mit dem Sammelsurium an Unterlagen der Mitkonkurrenten passt da nur allzu schön ins Bild und spiegelt das oft nicht vorhandene Feingefühl der Bewerber wider.
    Gerade eine Fachmesse kann ein richtiger Türöffner sein vorausgesetzt, man geht strukturiert und engagiert vor. Vor allem die Beobachtung der so oft genannten Softskills kann Bewerbern helfen, später nicht enttäuscht zu werden. Völlig richtig hast du auf die Umgangsweise untereinander beispielsweise am Messestand hingewiesen. Dort wird schnell deutlich, ob alle Mitarbeiter eines Unternehmens mit zupacken oder es hierarchische Barrieren gibt. Wann sonst bekommt man die Möglichkeit, Mitarbeiter verschiedener Abteilungen und womöglich den Chef gemeinsam in Aktion zu sehen?
    Deinen Beitrag finde ich sehr gelungen! Jobinteressenten wird hier das erforderliche Rüstzeug auf einem Silbertablett serviert. Jetzt muss man es eigentlich nur noch richtig umsetzen und dem Traumjob steht nichts mehr im Wege!
    Susanne Ratz

    • Sandra GertzenSeptember 28, 2015   

      Liebe Susanne,

      herzlichen Dank für die umfassende „Rezension“ meines Artikels! Es freut mich sehr, wenn dieser als Hilfsmittel geeignet ist, sich sicherer zu präsentieren.
      Bei so positivem Feedback macht das Beitragverfassen gleich noch mehr Spaß!
      Viele Grüße
      Sandra Gertzen

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