Weltfrauentag als reine Verkaufsaktion

Viele Unternehmen nutzen den Weltfrauentag dafür, durch besondere Maßnahmen, insbesondere Rabattaktionen oder Giveaways, auf sich aufmerksam zu machen und die Frauen als Zielgruppe anzusprechen. Leider sind diese Aktionen meistens reine Verkaufsaktionen und dienen weniger der Frauenwürdigung oder gar Verbesserung der Situation der Frau in der Gesellschaft – dem eigentlichen Sinn des Weltfrauentags.

Auch ich habe darüber nachgedacht, welche Marketing-Aktion ich anbieten könnte, fühlte mich aber nicht so richtig wohl bei dem Gedanken. Und heute morgen wusste ich auch warum:

Wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich in den letzten 20 Jahren den Weltfrauentag gelinde gesagt ignoriert!

Warum ich den Weltfrauentag bisher ignoriert habe

Aufgewachsen bei einer alleinerziehenden Mutter, die sich sehr aktiv für Frauenrechte eingesetzt hat, wurde ich bereits in jungen Jahren mit diesen Thema konfrontiert. Natürlich hatte dies Auswirkungen auf mein Verhalten und Auftreten. Bereits an der Schule hatte ich schnell den Ruf als „Emanze“ weg, da ich immer der Ansicht war, dass Mädchen genauso viel können wie Jungen, dieselben Rechte haben müssten und ich mich auch gerne im sportlichen Wettkampf mit diesen gemessen habe. Bereits damals stieß ich auf viel Unverständnis, sowohl bei Jungen als auch Mädchen.

Dieses setzte sich während meiner beruflichen Karriere fort. Viele jungen Frauen waren der Meinung, dass sie doch die gleichen Chancen hätten, wie die Männer, und es gar nicht notwendig sei, sich für Frauenquoten oder Gleichberechtigung einzusetzen.

Obwohl ich gerade als Personalerin immer wieder die Ungleichbehandlung der Geschlechter im beruflichen Alltag beobachten konnte, waren wenige Frauen bereit an dieser Situation etwas zu ändern. Ich hatte auch nicht den Eindruck, dass der Weltfrauentag für Frauen etwas anderes bedeutete, als von ihren Partnern Blumen zu bekommen. Irgendwann habe auch ich aufgehört mich aktiv mit dem Thema auseinander zu setzen und mich nur noch bei persönlicher Betroffenheit (also auch für Freundinnen oder Mitarbeiterinnen, die mich darum baten) um Gleichberechtigung gekümmert.

In keinem der Unternehmen, in denen ich tätig war, wurde dieser Tag in irgendeiner Weise gewürdigt – niemand forderte es oder dachte überhaupt darüber nach – mich leider eingeschlossen.

Frau überdenkt ihre Situation – Fotolia 92701815

Meine heutige Sicht auf den Weltfrauentag

Nachdem ich jetzt zwei Jahre selbständig bin, bin ich wieder bei meinen Wurzeln angekommen und habe eine völlig andere Sicht auf diesen Tag.

Täglich begegnen mir Frauen, die mit der Ungleichbehandlung zu kämpfen haben und dagegen angehen wollen.

  • Sie sind hochqualifiziert und glauben nach der Geburt ihrer Kinder keine andere Chance zu haben, als bei ihren Arbeitgebern eine geringer qualifizierte Teilzeitstellen anzunehmen.
  • Es sind Frauen, die sich extrem effizient, zielorientiert und loyal für ihre Unternehmen einsetzen, und trotzdem auch in Managementpositionen deutlich weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen. Sie kommen nicht automatisch auf die Beförderungsliste, sondern müssen sich immer selbst ins Spiel bringen.
  • Frauen, die in ihrer Rolle als Mutter und Hausfrau aufblühen und hier immens viel leisten, häufig auch mehrere Ehrenämter bekleiden, plagen sich mit einem schlechten Gewissen, und müssen sich leider auch vor anderen Frauen rechtfertigen, warum sie keinen Beruf ausüben.
  • Sie glauben, aufgrund des erlernten, eigenen Erwartungsdrucks, nicht gut genug für dieses oder jenes zu sein, und erlauben sich deshalb nicht, ihren Träumen zu folgen.
  • Frauen, lassen sich von Männern ausnutzen, unterdrücken, sogar schlagen,
  • werden krank, weil sie ihre eigenen Bedürfnisse ganz hinten anstellen.

Und auf der anderen Seite werden weiterhin Vorurteile und Klischees durch die Medien bedient. Es boomen Sendungen wie GNTM oder Der Bachelor. Die Werbung setzt nach wie vor auf langhaarige schlanke Püppchen. Mädchen ergreifen immer noch schlechtbezahlte Berufe, weil bereits in der Schule die Weichen so gestellt werden…

Unter diesen Gesichtspunkten ist der Weltfrauentag also leider so aktuell wie eh und je.

Starke Frauen mit Ideen – Positiv abheben – Fotolia 123889554

Es tut sich etwas

Zum Glück gibt es bereits viele wunderbare Gegenbeispiele, die vom Mut und von der Solidarität von Frauen zeugen. Exemplarisch möchte ich Ihnen einige Vernetzungsmöglichkeiten und Erfolgsgeschichten von Frauen, die etwas verändern wollen und sich bereits getraut haben, vorstellen:

  • Insbesondere selbständige Frauen, die sich vernetzen, gegenseitig unterstützen und gemeinsam Lösungen für viele Frauenthemen schaffen, finden (regional) zusammen z.B. bei
  • In diesem Jahr haben zwei Frauen in Frankfurt das Cowork and Play, um berufstätigen Eltern temporäre Arbeitsplätze mit Kinderbetreuung zur Verfügung zu stellen.
  • Für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gründeten zwei Berliner Mütter das Jobsharing-Portal Tandemploy, auf dem Menschen zusammenfinden, die sich einen Arbeitsplatz teilen möchten. Wer möchte kann hier die Erfolgsgeschichte lesen.
  • Wertvolle Unterstützung finden Frauen, die den Schritt raus aus der abhängigen Beschäftigung hinein in die Selbständigkeit wagen möchten, durch Institutionen (jumpp Frankfurt ) und auch Behörden(Existenzgründungsberatung GG).
  • Darüber hinaus gibt es unzählige Initiativen und Vereine, die sich Frauenthemen widmen, dem persönlichen Treffen und Unterstützen dienen (Frauen- und Mütterzentren LaDaDi).

Nutzen Sie eine dieser Möglichkeiten, um sich im Austausch mit Gleichgesinnten Mut zu machen, aus Ihrer vielleicht derzeit nicht ganz glücklichen Situation auszubrechen und neue Wege zu gehen.

Auch gibt es immer mehr Unternehmen, die Gleichberechtigung leben und Frauen bewusst fördern. Die demographische Entwicklung unterstützt diesen Trend, da bereits heute viele Unternehmen um ihr Personal kämpfen müssen. Dass dies im Bewusstsein der Unternehmen angekommen ist, zeigt ein schönes Beispielvideo von Procter und Gamble. P&G: #WeSeeEqual.

Gemeinsam mehr erreichen am Weltfrauentag – Positiv abheben – Fotolia 93043911

Ausblick Weltfrauentag 2018

Ich habe für mich beschlossen, zukünftig dem Weltfrauentag wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken und im Rahmen meiner eigenen Möglichkeiten einen Beitrag zur Verbesserung der Situation zu leisten.

Deshalb möchte ich im nächsten Jahr eine Veranstaltung zum Weltfrauentag planen, die uns Frauen die Möglichkeit gibt, uns in der Region zu treffen, zu beruflich-orientierten Themen auszutauschen und uns gegenseitig zu stärken.

Wer Lust hat sich daran zu beteiligen schreibt mich einfach an. Besonders freue ich mich über Ihre Anregungen, welche Inhalte eine solche Veranstaltung haben sollte.

Mein Wunsch ist, dass

  • wir Frauen uns selbst wieder wichtiger nehmen,
  • lernen, noch mehr füreinander einzustehen und nicht gegeneinander zu agieren,
  • uns wieder mehr Vertrauen entgegenbringen und gegenseitig stärken,
  • wir gemeinsam für ein gerechteres Miteinander eintreten.

Bei meiner täglichen Arbeit stehen für mich Wertschätzung, Achtsamkeit und Authentizität im Vordergrund und sind meine ganz persönlichen Treiber. Ich hoffe damit ein Stückchen dazu beitragen zu können, dass die Arbeitswelt noch ein bisschen mensch-orientierter und gerechter wird.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Weltfrauentag – denken Sie heute an sich!

Einen schönen Weltfrauentag wünscht Positiv abheben!

Ergänzung 2018

Ich habe im letzen Jahr geschrieben, dass “ ich im nächsten Jahr eine Veranstaltung zum Weltfrauentag planen möchte, die uns Frauen die Möglichkeit gibt, uns in der Region zu treffen, zu beruflich-orientierten Themen auszutauschen und uns gegenseitig zu stärken.“

Es gibt in diesem Jahr zwar noch keine Veranstaltung anläßlich des Weltfrauentages, ich habe aber im November letzen Jahres eine Netzwerkgruppe für Unternehmerinnen und Freiberuflerinnen aus dem Großraum hessisches Ried ins Leben gerufen, das sehr gut angenommen wird.

Unser Bestreben ist es uns gegenseitig zu stärken, auszutauschen, gemeinsam sichtbar zu werden und etwas zu bewegen.

Wer Lust hat dabei zu sein, kann gerne zu unseren derzeit etwa monatlichen Treffen kommen, die ich in meiner Veranstaltungsübersicht aufgeführt habe. Es gibt auch eine geschlossene Facebookgruppe für den Austausch auf kurzem Wege.

 

 

Kommentare8
  1. Elke NeumannMärz 15, 2017   

    Hallo Sandra, ein sehr interessanter Beitrag, viel Erfolg für Deine Vorhaben.
    Ich hatte 1998 Glück im Alter von 50 Jahren nach 20 Jahren Kinderpause wieder in einen interessanten Beruf bei einem ziemlich sozial eingestellten Unternehmen einsteigen zu können. Aber das war auch schon damals nicht die Regel und so etwas gibt es sicher viel zu selten.

    • Sandra GertzenMärz 15, 2017   

      Hallo Elke, herzlichen Dank für das mutmachende Beispiel.

  2. Elke PalmMärz 09, 2017   

    Herzlichen Dank für diesen inspirierenden Beitrag.

  3. Jutta BrinkiesMärz 09, 2017   

    Hi Sandra, Dein Kommentar zum WFT trifft in vielen Punkten den Nerv unserer Zeit. Für mich bzw. meine Altersgruppe wünsche ich auch mehr Beachtung. Ich engagiere mich seit Jahren
    Ehrenamtlich. Meine Versuche eine bezahlte Arbeit zu bekommen war leider erfolglos. Wir Ü-60sind für die Gesellschaft nicht mehr sichtbar. Ich wehre mich bei jeder sich bietenden Gelegenheit dagegen und gebe nicht auf. LG. Jutta

    • Sandra GertzenMärz 09, 2017   

      Liebe Jutta,
      herzlichen Dank für Deine Rückmeldung!
      Leider hast Du Recht – es gibt zwar seit 2013 ein Gesetz, das Ehrenamt mehr zu würdigen und zu fördern, aber das ist aus meiner Sicht ein Tropfen auf dem heißen Stein. (Siehe auch Broschüre zur Ehrenamtsförderung BMI.) Viel zu viele Tätigkeiten werden im reinen Ehrenamt super professionell ausgeübt. Viele davon müssten aus meiner Sicht eigentlich vergütet werden. Zum Glück macht die demographische Entwicklung Druck und viele Unternehmen machen sich über Alternativen zum karierten Gänseblümchen (die Person, die 100% auf die zu besetzende Position passt, in der Mitte des Lebens steht, aber natürlich keine Kinder oder sonstige Verpflichtungen hat, sondern für die Arbeit lebt) Gedanken und handeln entsprechend. Die Chance zumindest über Ü50 noch den Job zu wechseln oder überhaupt wieder in einen einzusteigen ist bereits spürbar gewachsen. Dort, wo ich darauf Einfluss nehmen kann, werde ich es weiterhin tun. Demnächst auf einer Messe zum Thema Gesunde Führung.

  4. Christel KienzlerMärz 08, 2017   

    Ich wünsche diesem Blog, dass er von möglichst vielen Personalern, Unternehmern, Geschäfts- führern, Vorstandsmitgliedern, Aufsichtsräten und vor allem Politikern gelesen und beherzigt wird.

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