Selbstzweifel – wie sie unsere persönliche Entwicklung behindern aber auch fördern

Letzte Woche hatte ich ein Gespräch mit einem erfolgreichen Unternehmer, einem gestandenen Mann in seiner Lebensmitte, der eine unglaubliche Kompetenz und Ruhe ausstrahlt. Unerwarteter Weise eröffnete er mir, dass er aus seiner Sicht extrem wenig Selbstvertrauen habe und sich schon sein ganzes Leben mit Selbstzweifeln rumschlägt.

Ich habe lange über dieses Gespräch nachgedacht und dabei erkannt, dass es vielen meiner Coachees, Bekannten, aber auch mir selbst, ebenso ergangen ist.

Allerdings merkte ich auch, dass sich bei mir in den letzten 5 Jahren bzgl. dieser Selbstzweifel viel positiv entwickelt hat und ich möchte gerne meine Gedanken dazu mit Ihnen teilen.

Kindheitserlebnisse als eine Ursache unserer Selbstzweifel

Wir alle hatten in unserer Kindheit Erlebnisse, insbesondere mit unseren Eltern, aber auch mit Schulkameraden oder Lehrern, Trainern oder Gruppen, die uns geprägt haben und unser heutiges Handeln (unbewusst) beeinflussen.

Damals fühlten wir uns vielleicht abgelehnt, nicht gut genug, klein, hässlich, ungeliebt…

Das führte dazu, dass wir vielleicht versuchten,

  • es besonders gut oder sogar allen recht zu machen,
  • uns den Normen und Erwartungen der Gesellschaft anzupassen und die eigenen Wünsche zu verleugnen,
  • dem Vater, der vielleicht nie Zeit für uns hatte,  zu beweisen, dass wir es doch wert sind, geliebt zu werden,
  • der Mutter zu zeigen, dass wir keine Heulsusen sondern starke Frauen sind,
  • oder uns unsichtbar zu machen, unser Licht unter den Scheffel zu stellen, uns selbst in unseren Gedanken klein zu reden…

Sie können diese Liste individuell fortsetzen – die Basis Ihrer Selbstzweifel war gelegt.

Wir zweifeln an uns und unseren Fähigkeiten, hemmen uns in unserer persönlichen Entwicklung, sind unzufrieden oder gar unglücklich.

So fragte ich mich z.B. lange Zeit, ob ich wirklich gut genug bin, um mich selbständig zu machen. Wer sollte schon Geld dafür bezahlen, sich von mir beraten zu lassen, wo es so viele andere, bestimmt viel erfahrenere, mit mehr Methoden vertrauten Coaches gibt?

Schließlich hatte ich in meiner Kindheit gelernt, mich immer an den Besseren zu orientieren und so von jeher das Gefühl, nicht gut genug zu sein.

Was ist passiert?

Frieden schließen mit der Vergangenheit

Nun, zunächst war die Geburt unseres Sohnes ein sehr einschneidendes Ereignis, das dazu führte, dass ich erlebte wie wundervoll und einzigartig ein neuer Mensch ist. Während er aufwächst lerne ich jeden Tag neue Seiten an ihm kennen und bin fasziniert davon, wie facettenreich er ist.

Ich erlebe, wie man als Eltern täglich versucht, das Beste für sein Kind zu tun und dabei auch Dinge tut, die nicht immer optimal sind.
Aber immer aus einer positiven Absicht heraus.

Aus dieser erlebten Überzeugung heraus, dass alle („gesunden“) Eltern so handeln, konnte ich meinen Frieden mit Vorwürfen machen, die ich meinen Eltern innerlich machte. Ich hatte ihnen die „Schuld“ daran gegeben, warum ich so oder so war oder warum ich bestimmte Dinge nicht erreichen oder tun konnte.

Gerne nehmen wir unsere „bösen“ Eltern, den ungerechten Chef, den unpassenden Partner als Ausrede dafür, dass unser Leben nicht so ist, wie wir es uns wünschen.

Die einzige Möglichkeit unser Leben in die Richtung zu ändern, die wir uns für uns wünschen, ist allerdings, bei uns selbst anzufangen und die Verantwortung für unser eigenes Leben zu übernehmen.

Die Verantwortung für das eigene Leben übernehmen

Erst jetzt war ich wirklich bereit, die Verantwortung für mein eigenes Leben zu übernehmen. Ich bin überzeugt davon, dass wir Menschen jederzeit die Wahl haben – wir sind nicht die Opfer unserer Vergangenheit oder unseres Umfelds sondern können selbstbestimmt jeden Tag einen Schritt in die Richtung tun, die wir uns wünschen.

Leider gibt es keinen Schalter, der dafür sorgt, dass wir ab sofort keine Selbstzweifel oder Ängste mehr haben.

Vielmehr ist es ein Prozess, der uns durch viele Erlebnisse und Gespräche, unterstützt durch Profis (in meinem Fall Coaching, Netzwerken, Yoga und Pilates, tatsächlich auch Physiotherapie und eine Heilpraktikerin) und grundsätzlich positives Denken kontinuierlich zu mehr Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen führt.

Es ist manchmal harte, kontinuierliche Arbeit, die aber auch ganz viel Spaß macht! Achtsamkeit, Reflexion des eigenen Handelns und Veränderungsbereitschaft sind die Schlüssel. Probieren Sie es aus.

Es ist schön zu sehen, wie sich die eigene Haltung aber auch das Umfeld ändert, wenn man anders handelt als bisher.

Ausprobieren und bereit sein zu scheitern – Machen und nicht Jammern

Zum Glück war der Drang, meine Arbeit mit mehr Sinn zu erfüllen und mich selbständig zu machen, stärker als meine Selbstzweifel.

So stellte ich mich der Herausforderung mir selbst zu beweisen, dass ich sehr wohl viel zu bieten habe.

Ich fing an, mich

  • konkret mit meinen Plänen auseinander zu setzen,
  • netzwerkte,
  • machte eine Coaching-Ausbildung (Deutschland liebt Zertifikate) und
  • eine Bestandsaufnahme meiner beruflichen Stärken.

Durch die Arbeit an meinen Stärken veränderte sich auch meine eigene Sicht auf mich und meine Fähigkeiten.
Unter anderem stellte sich heraus, dass eine meiner größten beruflichen Stärken meine Sensibilität ist. Mein Gespür für Gefühle und innerste Gedanken auch anderer Menschen sichert mir eine hohe Empathie.

Genau diese Sensibilität wurde mir in meiner Kindheit häufig als Schwäche ausgelegt – Sie kennen sicher den Satz: „Kind, nun sei doch nicht so sensibel“ – oder „große Jungs weinen nicht“. Dies ist nur einer der negativen Glaubenssätze, die bei mir für Selbstzweifel gesorgt haben.

Auch das Messen an anderen, die augenscheinlich besser waren als ich, und mich an mir zweifeln ließ, stellte sich im Nachhinein als sehr positiv prägend für meine Persönlichkeit aber auch meine beruflichen Fähigkeiten heraus. Es hat meine Neugier gefördert und meinen Willen, in Bereichen, die mich wirklich interessieren, wissenstechnisch up to date und vorne dabei zu sein. Durch die Beschäftigung mit Trends und dem Austausch mit Vorreitern im Personalbereich kann ich meinen Kunden heute einen umfassenden Wissensschatz bieten.

Dann traute ich mich, unternahm den Sprung ins kalte Wasser und entgegen meiner Selbstzweifel schätzen meine Kunden meine Arbeit sehr.

Meine Erfahrung: nur durch Machen kann man wachsen und jedes Scheitern macht uns noch besser.

Dankbarkeit für Selbstzweifel

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Dies alles hat zu einer großen Dankbarkeit für alle meine vergangenen Erfahrungen geführt und insbesondere auch für meine Selbstzweifel.

Denn diese Selbstzweifel waren und sind meine Antreiber und haben mich zu der gemacht, die ich heute bin.

Sie haben dafür gesorgt, dass ich mich heute dafür engagiere, dass Menschen sich mit ihren Stärken beschäftigen, an sich glauben und zuversichtlich auf den Weg machen, das Leben zu leben, das sie sich für sich wünschen.

Aus der eigenen Erfahrung weiß ich, dass jeder Mensch einzigartig ist und wie wichtig es ist, dass jeder die Umgebung findet, in der er seine besonderen Talente optimal entfalten kann.

Das ist mein Treiber, warum ich Unternehmen und Menschen dabei berate herauszufinden, welche Stärken sie haben und wie sie zueinander finden, wenn sie zueinander passen.

Nehmen auch Sie ihre Selbstzweifel an, übernehmen Sie die Verantwortung für IHR Leben und starten Sie in eine zufriedenere Zukunft. Gerne begleite ich Sie ein Stück dabei.

Extra Tipp: Glaubenssätze auf den Prüfstand stellen und umschreiben

Der negative Glaubenssatz

Bestimmt haben auch Sie sogenannte negativ behaftete Glaubenssätze, die Sie in Ihrer persönlichen Entwicklung hemmen oder zu Selbstzweifeln führen. Dann können Sie gerne einmal versuchen, diese Sätze aufzuschreiben, auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen und sich zu fragen, ob Sie sich durch diese Überzeugung wirklich von den Dingen abhalten lassen möchten, die Ihnen wichtig wären.

Wenn Sie merken, dass Ihnen der Schutz, den Ihnen der jeweilige Glaubenssatz bietet, nicht wichtiger ist, als die Dinge, die Sie gerne tun möchten, lohnt es sich, diesen Satz umzuschreiben in einen positiven Glaubenssatz.

Ihr negativer Glaubenssatz könnte beispielsweise lauten „Ich bin zu alt für Veränderung.“

  • Fragen Sie sich zunächst, welche Vorteile diese Einstellung Ihnen bietet. Sie können zum Beispiel mit Ihrem Vorhaben nicht scheitern, weil Sie es gar nicht erst versuchen. Alles bleibt beim Alten – Sie müssen Ihre Komfortzone nicht verlassen. Niemand wird Sie dafür belächeln, wenn Sie etwas tun, das vielleicht in den Augen der Gesellschaft nicht altersgemäß ist….
  • Welche Vorteile hätten Sie hingegen, wenn Sie diesen Glaubenssatz loslassen?
    • Wie würde sich ihr Verhalten ändern?
    • Welche Folgen hätte das?
    • Was würden Sie sich trauen zu tun?

Spüren Sie in sich rein. Sie wollen Veränderung? Dann können Sie jetzt den Wahrheitsgehalt dieser alten Aussage „Ich bin zu alt für Veränderung“ prüfen.

Suchen Sie sich ruhig Beispiele von Menschen, die Ihnen als Vorbild dienen können (eine Kollegin, die mit über 50 den Jobwechsel geschafft hat, die 91 Jahre  alte Turnerin oder das männliche Top-Age-Modell (hottest Grandpa)) oder erinnern Sie sich an Situationen, in denen Sie gedacht haben, dass Sie zu alt wären und es trotzdem erfolgreich getan haben.

Sind Sie jetzt überzeugt, dass dieser Glaubenssatz ausgedient hat? Dann dürfen Sie ihn getrost umschreiben.

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Aus negativem wird positiver Glaubenssatz

Ihr positiver Glaubenssatz könnte jetzt lauten „Ich kann alles erreichen, was ich wirklich will.“

Schreiben Sie ihn sich gut sichtbar auf, kleben ihn vielleicht an Ihren Badspielgel und lesen ihn sich am besten jeden Morgen mind. 3 Wochen lang vor und prüfen Sie abends, ob Sie „Beweise“ für diesen neuen Glaubenssatz finden.

Was haben Sie heute gemacht, was Sie sich früher vielleicht nicht getraut hätten? Schreiben Sie auch diese „Beweise“ auf.

Sie werden sehen, wie sich Ihr Fokus auf den positiven Satz richtet, sich verfestigen und positive Auswirkung auf Ihr Handeln hat.

Wenn Sie dranbleiben werden Sie vielleicht irgendwann sagen: „Selbstzweifel, was ist das?“

Mehr zum Thema Glaubenssätze finden Sie z.B. bei Arbeits-abc.de oder auch aus der Schweiz bei Benedikt Ahlfeld.

 

 

 

 

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