Die Last des positiv Abhebens oder
Wie
Sie gelassener Ihr Bewerbungs-Anschreiben verfassen

Sie kennen das sicher: endlich haben Sie die perfekte Stellenausschreibung für sich entdeckt und möchten unbedingt die Chance bekommen sich dafür vorzustellen.

Mit Feuereifer machen Sie sich an die Arbeit. Der Lebenslauf wird erstellt, oder zumindest aktualisert, die Zeugnisse werden zusammengesucht und in die richtige Reihenfolge einsortiert. Noch schnell zum Friseur, danach zum Fotografen DAS Bewerbungsfoto machen. Die Deckblattgestaltung klappt nach mehreren Formatierungsproblemen auch recht gut und sogar eine „Über mich“ Seite ist erfolgreich getextet. So weit, so gut. Aber jetzt…

DAS BEWERBUNGS-ANSCHREIBEN droht

Sie wissen, neben Ihrem Foto (und natürlich der fehlerfreien, formal richtig gestalteten Bewerbung) ist es DER Türöffner zu Ihrer Wunschposition.

Und Ihnen fallen in Sekundenschnelle 100 Dinge ein, wie angeblich das perfekte Anschreiben aussehen soll. Nicht zu ausführlich, aber aussagekräftig, nicht zu kurz, aber auf den Punkt, keine allgemeinen Phrasen, sondern konkrete Stärken, aufmerksamkeitsstarker erster Satz, auf die Stellenausschreibung bezogen, sich im rechten Licht präsentieren, aber nicht blenden, …

Verzweiflung beim Anschreibenverfassen Positiv-Abheben-Blog

Verzweiflung beim Bewerbungs-Anschreiben-Verfassen

Da Sie leicht verunsichert sind searchen Sie schnell im Internet unter dem Stichwort Bewerbungsanschreiben oder kaufen ein Buch zum Thema „Die perfekte Bewerbung“.

Natürlich werden Sie fündig. 1000+1 Tipp werden Ihnen angeboten.

Aber egal welche „Seite“ Sie aufschlagen, jeder Tipp ist ein bißchen anders.
Vielleicht von anderen lernen? Sie suchen sich jetzt eines der vielen angebotenen Musteranschreiben raus und versuchen es auf sich anzupassen.
Nebenbei arbeiten Sie noch die Checkliste „Mein perfektes Anschreiben“ ab.

Das Ergebnis? Unbefriedigend!

Sie erkennen sich gar nicht wieder. Es wirkt irgendwie steif, nicht echt.

Warum ist das so?

Woran das liegt ist mir gerade gestern wieder bei einem tollen Webinar zum Thema „Erfolgreich Bloggen“ von Sandra Holze und durch meine eigenen Erfahrungen beim Verfassen meiner Blogartikel sehr deutlich geworden.

Wie beim Verfassen des „perfekten“ Anschreibens geht es ja auch beim Bloggen darum, sich positiv abzuheben und anderen ein Stück seiner Persönlichkeit zu zeigen. Auch ich möchte mich im rechten Licht präsentieren, authentisch „rüberkommen“, Sie beim Lesen meiner Artikel einerseits begeistern, andererseits auch von meiner Kompetenz überzeugen.

Aber wie das so ist mit Dingen, die man zum ersten Mal oder auch nach langer Zeit das erste Mal wieder tut: Man ist unsicher, traut sich nicht so recht, möchte möglichst alle überzeugen, es allen Zielgruppen recht machen, möglichst vollständig seine Kompetenzen zeigen, alle (z.T. nur erdachten) Erwartungen erfüllen …

Also habe auch ich mich im Internet nach Ratschlägen umgesehen, MitbewerberInnen-Blogs besucht, Freunde, Familie und neutrale Personen befragt, aber letztlich hat es mir alles nicht wirklich weitergeholfen.

Die Erfolgsformel: Fange an, habe Spaß und sei Du selbst!ich will, ich kann ich werde - motivation

Da ich endlich anfangen wollte zu bloggen schrieb ich meinen ersten Artikel. Sie können es nachlesen. Noch ein bißchen steif, sehr auf Sachlichkeit und Kompetenz ausgerichtet, aber gar nicht soo schlecht.

Es kamen der zweite und dritte Beitrag und langsam fing die Sache an mir Spaß zu machen. Ich wurde sicherer, in jeden Beitrag floss ein bißchen mehr von mir ein und nach meiner Nominierung zum „Bester Award“ ist dies der zweite Beitrag, der tatsächlich so ist wie ich.

Ich zerbreche mir nicht mehr stundenlang den Kopf, ob ich diese oder jene Formulierung wirklich so wählen soll, ob die Passage nicht zu flapsig ist oder ich nicht irgend jemandem mit meinen Aussagen auf den Fuß trete. Natürlich kann das passieren.

Aber es ist doch wie immer im Leben, wenn man Stellung bezieht und somit einen Teil seiner Persönlichkeit zeigt – man wird angreifbar. Und nur mit einem gesunden Selbstvertrauen, das aus der Kenntnis der eigenen Stärken erwächst, kann man damit gelassen umgehen.

Was heißt das jetzt für Ihr Bewerbungs-Anschreiben?

Zunächt: Denken Sie bitte daran, Ihr erstes Anschreiben ist vermutlich nur eines von mehreren, denn erfolgreich Bewerben ist ein Prozess!

  • Machen Sie sich im ersten Schritt bewußt, was Sie für sich von Ihrer nächsten Position wirklich erwarten. Wie muss Ihr Job sein, damit Sie ihn gerne tun? Wofür springen Sie morgens begeistert aus dem Bett und freuen sich auf den Berufsalltag? Wann denken Sie: „toll, dass ich dafür sogar Geld bekomme“.
  • Erstellen Sie dann eine Liste der Kompetenzen/Eigenschaften, die Sie für genau diese Wunschposition mitbringen.
  • Diese fließen im nächsten Schritt in Ihre gesamte Bewerbung ein.
  • Dann suchen Sie sich die Anzeigen/Unternehmen, die wirklich zu Ihren Vorstellungen passen und bewerben sich bevorzugt dort.
  • Wenn Sie die Vorbereitungsphase wirklich ernst genommen haben, sollte es Ihnen jetzt nicht mehr allzu schwer fallen, ein ansprechendes Bewerbungs-Anschreiben zu formulieren, da Sie selbstbewußt argumentieren können, warum gerade Sie die/der Richtige für den Job bei eben dieser Firma sind.
  • Werden Sie dann eingeladen, brauchen Sie sich nicht zu verstellen. Sie werden sich authentisch präsentieren, dadurch von anderen positiv abheben und überzeugen.

Ein kleiner Tipp noch –

Denken Sie sich in den Personaler hinein:

  • Welche Dinge müssen erfüllt sein, damit er Ihre Bewerbung gerne liest?
  • Wie können Sie ihre/seine Aufmerksamkeit gewinnen?
  • Bieten Sie Antworten auf die Fragen, die HR dem Fachbereich beantworten muss, z.B.: was qualifiziert Sie für die Stelle, welche Führungserfahrung (fachlich/disziplinarisch) haben Sie, welche „Belege“ gibt es für Ihre Erfolge/Eigenschaften, ggf. auch: wann sind Sie verfügbar und was möchten Sie verdienen.
    Wobei die letzten beiden Aussagen auch erst im Lebenslauf aufgeführt werden können, wenn Sie denken, dass diese eher von Nachteil sind (z.B. lange Kündigungsfrist).

Und jetzt machen Sie sich einen Tee (oder Kaffee – je nach persönlicher Vorliebe), spielen vielleicht noch schöne Musik und legen gelassen, mit Spaß und Zuversicht los.

Tasse Tee positiv abheben blog

Bewerbungs-Anschreiben beim Tee

Und wenn es nicht gleich mit den ersten Bewerbungen klappt,

Nutzen Sie die Chancen, die Ihnen die Absagen bieten.

  • Vergleichen Sie noch einmal die Anzeige mit Ihren „Angeboten“.
    Wieviel der ausgeschriebenen Kriterien haben Sie erfüllt.
    Wenn Sie sich auf Anzeigen beworben haben, deren Anforderungen Sie zu  weniger als 70% erfüllen, ist das Unternehmen vielleicht noch nicht offen für moderne Recruitingansätze und passt doch nicht zu Ihnen.
  • Lernen Sie aus den Absageschreiben: ist es individuell oder standardisiert?
    Wenn es individuell gestaltet ist fassen Sie ruhig einmal nach – was war der Grund der Absage. Wie hat Ihr Anschreiben gefallen. Was hätten Sie aus Sicht dieser Firma anders machen können…
  • Vergleichen Sie Ihre Anschreiben – mit welchen waren Sie erfolgreich, mit welchen weniger. Achten Sie auf Wording, Satzstellung, die Länge, den Stil.

Und wenn Sie die Analyse abgeschlossen haben, machen Sie es vielleicht wie eine Kundin von mir und gehen laufen. Das macht den Kopf frei und gibt Raum für Kreativität.

Vielleicht haben auch Sie dann eine Eingebung für die Gestaltung Ihres ganz persönlichen Anschreibens, das einfach überzeugen muss.

Kommentare6
  1. MarinaJuli 13, 2017   

    Hallo Sandra,
    Deine tipps sind wirklich sehr hilfreich,die werde ich sofort umsetzten. Und wenn es hilft mein Traumjob zu verwirklichen, lasse ich von mir noch mal hören 🙂

    • Sandra GertzenJuli 13, 2017   

      Hallo Marina,
      dann drücke ich fest die Daumen und freue mich auf die Erfolgsmeldung.
      Falls du magst, kannst du mir deine Bewerbung vorab zum kostenfreien Quickcheck zusenden.
      Herzliche Grüße
      Sandra

  2. TempiJuni 10, 2015   

    Schön geschrieben, freue mich weiteres zu lesen!

    • Sandra GertzenJuni 11, 2015   

      Herzlichen Dank, Tempi, für das Kompliment.

      Sie bieten ja sehr kreative Bewerbungsvorlagen – empfehle meinen Lesern gerne einen Besuch Ihrer Homepage.

      Viele Grüße in die Schweiz,
      Sandra Gertzen

  3. TinaMai 20, 2015   

    Danke für ein solch tollen Artikel. Ich muss mich zwar gerade nicht mehr bewerben, aber als ich diesen Artikel gelesen haben, überkam mich das Gefühl sofort loszulegen. Du baust vertrauen auf in dem du genau das schreibst, was andere fühlen, denken und tun…Mach weiter so!

    Gruß
    Tina von Recruiting Stuttgart

    • Sandra GertzenMai 20, 2015   

      Liebe Tina,

      vielen herzlichen Dank für die schönen Worte von unbekannter Seite. Freut mich sehr, wenn es motiviert, denn genau das ist mein Ziel – Menschen ermutigen an sich selbst zu glauben und dann selbstbewußt zu handeln.

      Schönen Gruß nach Stuttgart
      Sandra

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