
ca. 5 Minuten · Aktualisiert: September 2026
[Serie: Empathisch führen – mit Klarheit wirksam werden · Teil 2 von 3]
Kurz rekapituliert für alle, die direkt hier einsteigen: In Teil 1 traf die Führungskraft Julia auf eine stark privat belastete Mitarbeiterin. Und „löste" die Situation, indem sie alles selbst übernahm. Gut gemeint. Aber das Team verlor Orientierung – und die Mitarbeiterin die Chance, ihre Aufgabe verantworten zu können.
[→ Teil 1 nachlesen]
Jetzt: der zweite Weg.
Klar zu führen bedeutet nicht, weniger empathisch zu sein. Im Gegenteil.
Klarheit ist eine Form von Wertschätzung.
Doch viele Führungskräfte zögern genau hier. Grenzen zu setzen erfordert Mut – vor allem dann, wenn man bisher über Beziehung, Ausgleich und eigenes Engagement geführt hat.
Diese Unsicherheit ist normal.
Julia entscheidet sich nach gründlicher Vorbereitung und Selbstreflexion, es anders zu machen. Sie sucht das Gespräch mit der Mitarbeiterin.
Schritt 1 – Wahrnehmen: „Ich sehe, wie belastend die Situation mit Deiner Mutter gerade für Dich ist. Das tut mir leid – und ich schätze es sehr, wie offen du damit umgehst."
Schritt 2 – Klarheit: „Gleichzeitig bist Du ein wichtiger Teil dieses Teams, und Deine Aufgabe aktuell ist es, … Mir ist wichtig, dass wir gemeinsam klären, wie Du sie weiterhin verantworten kannst."
Schritt 3 – Lösung: „Was brauchst Du konkret, um das gut zu schaffen? Wo können wir priorisieren – und was bleibt verbindlich bei Dir?"
Was passiert?
Julia wird nicht härter. Sie wird klarer. Und genau das entlastet alle: die Mitarbeiterin, das Team – und Julia selbst.
Eine andere Situation:
Ein Mitarbeiter meldet sich regelmäßig krank, Termine werden verpasst.
Die Führungskraft weiß von privaten Herausforderungen und sagt nichts – aus Verständnis.
Das Team reagiert zunehmend genervt:
Auch hier hilft kein Wegschauen. Eine klare, empathische Ansprache könnte lauten:
„Ich weiß, dass Deine Situation gerade herausfordernd ist. Gleichzeitig ist es meine Aufgabe, für Verlässlichkeit im Team zu sorgen. Lass uns gemeinsam klären, was realistisch möglich ist – und was wir verbindlich festhalten, um es ggf. auch mit Deinen Kolleginnen zu teilen, falls Du Unterstützung benötigst."
Das Ergebnis:
Führungskräfte, die klar führen,
Empathie bleibt, aber sie wird geführt, nicht gelebt auf Kosten der eigenen Rolle.
Empathisch zu führen ist eine große Stärke. Doch erst durch klare Grenzen, offene Kommunikation und mutige Gespräche entsteht echte Zusammenarbeit.
Denn Klarheit
Klarheit wirkt wie ein inneres Aufräumen. Nicht laut. Nicht hart. Sondern ruhig und souverän.
In Teil 3 bekommst du Impulse, wie du empathisch und klar führst, ohne dich zu verbiegen – konkrete Gesprächsstrukturen und erste Schritte für den Alltag. [→ Weiter zu Teil 3]
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mit über 30 Jahren HR-Erfahrung. Rhein-Main-Neckar-Gebiet und online.
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Häufig gestellte Fragen
Mit einer klaren, wertschätzenden Dreier-Struktur. Erst anerkennen: „Ich sehe, wie belastend deine Situation ist." Dann benennen, was verbindlich bleibt. Und schließlich gemeinsam Lösungen erarbeiten: „Was brauchst du konkret?" Ich nenne das Empathie mit Klarheit: Die Führungskraft wird nicht härter. Sie wird klarer.
Nein. Ich sehe es umgekehrt: Klarheit ist eine Form von Wertschätzung. Sie gibt Mitarbeitenden Orientierung, Ehrlichkeit und Gestaltungsspielraum. Unklarheit dagegen verschiebt Lasten unbemerkt aufs Team – etwa wenn einzelne Personen Aufgaben dauerhaft nicht verlässlich erfüllen und alle anderen es ausgleichen. Stille leidet die Fairness im Team.
Nicht wegschauen, sondern das Gespräch suchen – empathisch und klar zugleich. Das heißt: Verständnis zeigen, gleichzeitig die Verantwortlichkeiten im Team benennen und gemeinsam realistische, verbindliche Vereinbarungen treffen. Dabei auch das Team entlasten, etwa durch transparente Absprachen – soweit die betroffene Person damit einverstanden ist.